Mit Sturm und Drang zur Bühne

Schon fast eine Institution: Der Jugendclub des Coburger Landestheaters feiert fünfjähriges Bestehen

Von Dieter Ungelenk

Am Anfang war der CAKTus. Das stachelige Kürzel hatte sich der "Coburger Aktionskreis Theater und Schule" zugelegt, den Karin Heindl-Lau zu Beginn ihrer nur fünfmonatigen Coburger Intendanz 1995 ins Leben rief. Der ist zwar längst verdörrt, hinterließ jedoch die langlebigste und erfolgreichste Initiative der kurzfristigen Theaterchefin: den Jugendclub. Vom "Sturm und Drang", den er am Anfang noch im Titel führte, hat er sich zwar nominell schon lange getrennt, de facto freilich nicht: Ohne jugendliche Idealisten-Power wäre das Projekt wohl längst entschlafen.

Der Start im Sommer 1995 war schon vielverheißend: 32 Mutige zwischen sieben Jahren und Mitte 20 lockte die Verheißung in die Reithalle, Theaterluft nicht nur zu schnuppern, sondern nachhaltig zu inhalieren, schlummernde Schauspieltalente zu wecken und zu hegen - und zudem das Theaterhandwerk in allen seinen Facetten kennenzulernen. Denn daß es nicht nur darum ging, sich im Rampenlicht zu sonnen, war von Beginn an klar: Inszenierung und Dramaturgie, Bühnenbild, Maske und Musik, Programmheft und Plakat - die komplette Produktion galt es in Eigenregie auf die Beine zu stellen, mit Unterstützung der Theaterwerkstätten, versteht sich, und angeleitet von Profis: Lars Helmer und Peter Molitor (Der den Jugendclub noch heute leitet) nahmen den Nachwuchs unter ihre Fittiche und trainierten dessen Talente: Stimmbildung und Atemübungen, Improvisationen und Körperarbeit sind nunmal das A und O.

Vom ambitionierten Ziel, sich sogar ihre Stücke selbst zu schreiben, kamen die Theatermacher allerdings schnell ab. Statt dessen gaben sie ihr Debut im Sommer 1996 mit Coline Serreaus "Hase Hase".

Gestärkt vom Erfolg stellten sich die jungen Mimen gleich im zweiten Jahr einer besonderen Herausforderung: Mit Rainer Werner Fassbinders "Anarchie in Bayern" leisteten sie ihren beachtlichen Beitrag zu den 15. Bayerischen Theatertagen, die 1997 in Coburg stattfanden. Ein Jugendwerk des Regierebellen brachte der Jugendclub 1998 auf die Bühne("Tropfen auf heiße Steine"), ein paar Wochen später erwies er dem frischgekürten Nobelpreisträger Dario Fo seine Referenz mit "Isabella, drei Karavellen und ein Scharlatan".
Daß sie es auch mit erfolgreichen Verfilmungen aufnehmen können, bewiesen die Coburger im vergangenen Jahr mit Woody Allens "Geliebte Aphrodite". Sehr zum Vergnügen des Publikums, das übrigens keineswegs nur aus Jugend besteht.

Volle Reithallen-Tribünen sind die Regel bei den fünf bis sechs Vorstellungen, die jedes Stück erlebt. "Mit 'Aphrodite' haben wir sogar 'Honigmond' getoppt, und das will 'was heißen" freut sich Sven Ruppert über die Traumauslastung im vergangenen Jahr.

Theater spielen unter professionellen Bedingungen: das ist freilich nur die eine Seite des Jugendclubs. Improvisationen, schauspielerische Übungen, Teamspiele gehören nach wie vor zum Programm, wenn sich die Crew am späten Dienstagnachmittag in der Reithalle trifft. Nachwuchssorgen plagen Molitors Mannschaft nicht, jedes Jahr stoßen theaterbegeisterte Newcomer hinzu und ersetzen jene, die nach Ende ihrer Schulzeit Coburg verlassen. "Im Jugendclub treffen sich einfach nette Leute jeglicher Couleur, ohne Vorurteile, mit viel Toleranz und einer Offenheit, die selten geworden ist in unserer Zeit" meint Timo Kauer - und so entfleucht der Teamgeist denn auch keineswegs nach Probenschluß. Man trifft sich bevorzugt im "Hungry Highlander" oder auf zahllosen Partys. Grund zum feiern gibt es bekanntlich nicht nur nach Premieren.

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